Seit über 125 Jahren

Warum wir am klassischen Fernlehrgang festhalten

Christoph Ladewig, Inhaber und Leiter der Hotelfernschule Poppe & Neumann

Die Zauberworte sind „Digitalisierung“, „E-Learning“, „CBT (computer based training)“, „Online-Learning“,etc. …

Wie gut das alles funktioniert, hat man aus den Homeschooling-Aktivitäten während der Corona-Lockdowns erkennen können: Die Schülerinnen und Schüler waren vollkommen überfordert und die Eltern auch. Dass sich am Ende dann noch alle Beteiligten darüber gewundert haben, dass der Leistungsstand der Schülerinnen und Schüler massiv eingebrochen ist, kann nur naive Mitmenschen verwundern.

Wenn man weiß, dass bei den meisten Menschen inzwischen das Smartphone das einzige „Endgerät“ ist, muss man auch zugeben, dass es schlicht unmöglich ist, komplexe Inhalte und Ausgabenstellungen lerntechnisch auf dem Smartphone zu bewältigen.

Wenn man dann noch die Diskussionen verfolgt, wie lückenhaft das erforderliche Netz in weiten Teilen der Republik ist, dass es ununterbrochen zu Verbindungsausfällen kommt, dass das Netz tatsächlich schlechter ist als das in Kasachstan, wird die angestrebte Digitalisierung des Bildungssystems noch fragwürdiger.

Dass nicht hundert Prozent der deutschen Bevölkerung sein Leben über die Kommunikation mit „Alexa“ bestreitet, nicht alle Haushalte umfänglich digitalisiert sind, ist sicher kein Geheimnis.

Ein schönes Beispiel ist das Lesen. Sicher, es gibt E-Books, E-Reader, usw.
Wenn alle Menschen sich Ihren Lesestoff „herunterladen“, bleibt die Frage, warum jedes Jahr Millionen Bücher auf Papier gedruckt und offenbar klassisch gelesen werden?

Ja, der klassische Fernlehrgang, auf Papier gedruckt, hat sicher seine Daseinsberechtigung:

  • Man ist nicht abhängig vom Netzempfang
  • Man braucht keine teuren Endgeräte
    (… über die man dann tausende Blatt Papier ausdruckt!)
  • Man kann den Lehrbrief überall hin mitnehmen
  • Man kann markieren, unterstreichen und Bemerkungen schreiben

Also bleiben wir noch ein bisschen bei unseren klassischen Lehrbriefen.
Vielleicht solange, bis die Wissenschaft soweit ist, dass jedem Menschen ein Chip ins Gehirn gepflanzt wird, der alles Wissen der Welt enthält?

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